Appropriation and Revitalization

Negotiation Processes of the German-Jewish Cultural Heritage in Poland

Duration: 2022-2025

Main Project

Das Projekt befasst sich aus interdisziplinärer Perspektive (Geschichte, Baugeschichte, Denkmalpflege) mit gebauten Zeugnissen jüdischer Kultur und Geschichte in Polen als Gegenstände einer vielschichtigen Aneignung als „Kulturerbe“ durch diverse Gruppen und Akteure. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das historische materielle jüdische Erbe des heutigen Polen heterogen und bietet sich daher für eine Untersuchung unterschiedlicher Erbe-Strategien an: Durch die territorialen Verschiebungen umfasst es heute sowohl Objekte und Orte jüdischer Gemeinden in den polnischen Kernregionen als auch solche in den ehemals deutschen Gebieten. Mit dem Projekt soll anhand von Quellenrecherchen, Fallstudien und Interviews mit diversen Akteur*innen untersucht werden, ob, wann, in welcher Weise und von wem die Relikte der jüdischen Kultur, insbesondere Synagogengebäude und Friedhöfe, in die diversen Konstruktionen kulturellen Erbes in Polen einbezogen wurden und werden. Dabei wird insbesondere nach Unterschieden in Aneignung, Nutzung und Repräsentation zwischen jenen Objekten mit „deutsch-jüdischer“ und „polnisch-jüdischer“ Vorgeschichte gefragt werden, wobei der Schwerpunkt auf der Aufarbeitung und Analyse bislang vergleichsweise wenig betrachteter Relikte in den früher deutschen Gebieten liegt. Großes Gewicht wird in der geplanten Studie darauf gelegt, sowohl (zeit-)historische als auch baugeschichtlich-denkmalpflegerische Aspekte in der interdisziplinären Arbeitsgruppe gemeinsam zu betrachten. Welche Objekte werden in welcher Weise erhalten? Welche historischen Schichten werden mit welchen Strategien unter Schutz gestellt, durch die Denkmalpflege bewahrt, welche gehen verloren? Wie werden Erhaltungs- und Neunutzungsprozesse lokal, regional und ggf. international diskutiert und rezipiert? Welche Rolle spielen jüdische Akteure, Gemeinden und Institutionen vor Ort und international, welche staatlichen und überstaatlichen Organisationen sind involviert? Welche Bedeutung erlangen die „wiederbelebten“ jüdischen Bauten für die lokale und regionale Bevölkerung und ihr historisches „Erbe-Bewusstsein“? Durch entsprechende Vorarbeiten konnte bereits eine Anzahl relevanter Bauwerke und Anlagen ermittelt werden; mit polnischen und internationalen Organisationen, die sich um deren Erhaltung und Nutzung bemühen, ist eine enge Zusammenarbeit vereinbart.Das Vorhaben entwickelt Grundlagen sowohl für vergleichende Arbeiten zu anderen Beständen gebauten jüdischen Erbes in Europa und weltweit und trägt im Kontext des SPPs zur Reflexion von Erbe-Strategien im Hinblick auf kulturelle Nachhaltigkeit bei. Es fragt darüber hinaus nach der Relevanz jüdischer Akteur*innen für das gebaute Erbe und, umgekehrt, nach der Bedeutung der früheren Synagogen und der Friedhöfe für das historisch-kulturelle Bewusstsein jüdischer Gemeinschaften – nicht nur in Polen, sondern auch darüber hinaus.

Kooperationspartner*innen und Assoziierte

Head of Research

PD Dr. habil. Ulrich Knufinke

Bet Tfila – Research Centre for Jewish Architecture in Europe, TU Braunschweig (Germany)

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Prof. Dr. Ruth Leiserowitz

The German Historical Institute Warsaw (Poland)

Projektmitarbeiter*innen

Dr. Christhardt Henschel

The German Historical Institute Warsaw (Poland)

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Dr.-Ing. Kamila Lenartowicz

Bet Tfila – Research Centre for Jewish Architecture in Europe, TU Braunschweig (Germany)

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Zuzanna Światowy, Eng. Arch. M.Sc. Arch

Bet Tfila – Research Centre for Jewish Architecture in Europe, TU Braunschweig (Germany)

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Neele Menter, M.Sc.

Bet Tfila – Research Centre for Jewish Architecture in Europe, TU Braunschweig (Germany)

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Subprojects

Tandem-Projekt

Christhardt Henschel arbeitet an dem Tandemprojekt im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 2357 “Jüdisches Kulturerbe” gemeinsam mit Kamila Lenartowicz und Zuzanna Światowy.

Die Forschung von Christhardt Henschel konzentriert sich vor allem auf die historische Einordnung der o.g. Prozesse. Ausgehend von Praktiken und Diskursen des Denkmalschutzes im Polen der Zwischenkriegszeit, der Zerstörung und Umnutzung von Synagogen unter den Nationalsozialisten und der Rechtspraxis in Bezug auf das Eigentum jüdischer Gemeinden im Nachkriegspolen untersucht er die Akteure, Institutionen und Diskurse, die den Umgang mit Synagogen bestimmten, wobei auch Unterschiede zwischen den zentralpolnischen und den ehemaligen deutschen Gebieten herausgearbeitet werden sollen. Darüber hinaus geht es um die Frage, wie nationale und internationale Diskurse über das jüdische materielle Erbe ineinandergriffen und auf lokaler Ebene sichtbar wurden. Ein weiterer wichtiger Kontext ist die kulturelle Aneignung der ehemaligen deutschen Gebiete durch die neuen Bewohner, die sich dort nach 1945 niederließen. Sie fanden eine Landschaft vor, die weitgehend von Deutschen geprägt war. Das Projekt fragt, inwieweit sie Synagogen in diesem Kontext als explizit jüdisches (und damit “doppelt fremdes”) Erbe oder als Teil des deutschen Erbes wahrnahmen.

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Publikationen

Berghahn, Cord Friedrich, Mirko Przystawik, Ulrich Knufinke (Hg.): Israel Jacobson (1768-1828). Studien zu Leben, Werk und Wirkung. Göttingen 2022.

Keßler, Katrin, Ulrich Knufinke, Alexander von Kienlin und Annette Weber (Hg.): Synagogue and Museum. Petersberg 2018

Knufinke, Ulrich, Katrin Keßler: Synagogues and Spaces in Post-War Germany. In: Keßler, Katrin, Sarah M. Ross, Barbara Staudinger und Lea Weik (Hg.): Jewish Life and Culture in Germany after 1945. Sacred Spaces, Objects and Musical Traditions. Berlin, Boston 2022, S. 7-35.

Knufinke, Ulrich: Wall Paintings in Synagogues of Displaced Persons in Germany (1945-1950). In: Keßler, Katrin, Sarah M. Ross, Barbara Staudinger und Lea Weik (Hg.): Jewish Life and Culture in Germany after 1945. Sacred Spaces, Objects and Musical Traditions. Berlin, Boston 2022, S. 37-51.

Knufinke, Ulrich: Die Synagoge. Architektur komplexer Erinnerung. In: Das Münster 75 (2022), H. 2, S. 109-114.

Knufinke, Ulrich: Ehemalige Synagogen erhalten. Ziele und denkmalpflegerische Konzepte im Spiegel widerstreitender Akteure und Interessen. In: Herold, Stephanie; Christian Raabe (Hg.): Erhaltung. Akteure, Interessen, Utopien. Jahrestagung 2019 des Arbeitskreises Theorie und Lehre in der Denkmalpflege. Holzminden 2020, S. 82-90.

Knufinke, Ulrich: Synagogues in Museums, Synagogues as Museums, Synagogues and Museums – Introductory Reflections on an Ambivalent Subject. In: Keßler, Katrin, Ulrich Knufinke, Alexander von Kienlin und Annette Weber (Hg.): Synagogue and Museum. Petersberg 2018, S. 11-21.

Knufinke, Ulrich: Öffentliche Plätze der Erinnerung? Standorte zerstörter Synagogen im Bild deutscher Städte. In: Sölch, Brigitte; Elmar Kossel (Hg): Platz-Architekturen. Kontinuität und Wandel öffentlicher Stadträume vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Berlin 2018, S. 195-206.

Henschel, Christhardt, Leiserowitz, Ruth, Lenartowicz, Kamila, Menter, Neele und Światowy, Zuzanna (Hg.) (2024), Jewish or Common Heritage? Appropriation of Synagogues in East-Central Europe since 1945,  Osnabrück: fibre.

Henschel, Christhardt (2024): “Diplomacy through synagogues? Jewish sites and state politics in communist Poland”, in: Henschel, Christhardt, Leiserowitz, Ruth, Lenartowicz, Kamila, Menter, Neele und Światowy, Zuzanna (Hg.), Jewish or Common Heritage? Appropriation of Synagogues in East-Central Europe since 1945,  Osnabrück: fibre, 103-128.

Henschel, Christhardt, Knufinke, Ulrich, Leiserowitz, Ruth, Lenartowicz, Kamila, Menter, Neele und  Światowy, Zuzanna:  Introduction ”, in: Henschel, Christhardt, Leiserowitz, Ruth, Lenartowicz, Kamila, Menter, Neele und  Światowy, Zuzanna (Hg.), Jewish or Common Heritage? Appropriation of Synagogues in East-Central Europe since 1945,  Osnabrück: fibre, 11-26.

Światowy, Zuzanna (2024): “Restoring memory or searching for a new identity? The synagogue and the Jewish community of Dzierżoniów (Reichenbach im Eulengebirge)”, in: Henschel, Christhardt, Leiserowitz, Ruth, Lenartowicz, Kamila, Menter, Neele und Światowy, Zuzanna (Hg.), Jewish or Common Heritage? Appropriation of Synagogues in East-Central Europe since 1945,  Osnabrück: fibre, 221-238.

Last updated 20.11.2023

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