Transformation des Erbes, Erbe der Transformation

Synagogengebäude im heutigen Polen und das Vermächtnis der postsozialistischen Übergänge

Laufzeit: 2025-2028

Gesamtprojekt

Das Forschungsprojekt untersucht die Verwaltung und Aneignungsprozesse des jüdischen Kulturerbes in Polen, insbesondere die Rolle rechtlicher Rahmenbedingungen und politischer Transformationen nach 1989. Die zentrale These lautet, dass die rechtlichen und politischen Veränderungen während der postsozialistischen Transformation Polens bis heute den Umgang jüdischer Institutionen, Gemeinden und anderer Akteure mit ehemaligen Synagogen und anderen jüdischen Kulturstätten prägen. Im Projekt wird argumentiert, dass die nach den 1990er Jahren erlassenen Gesetze den Handlungsspielraum jüdischer und nichtjüdischer, nationaler und transnationaler Akteure auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene definieren.

Im Mittelpunkt der Studie stehen die rechtlichen Aspekte des Eigentums und des Denkmalschutzes, insbesondere das Gesetz von 1997. Dieses Gesetz regelt das Verhältnis zwischen dem polnischen Staat und den jüdischen Religionsgemeinschaften sowie die laufenden Restitutionsprozesse jüdischen Eigentums. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen führen häufig zu Konflikten zwischen den Beteiligten, hinsichtlich der angemessenen Restaurierung, Wiederverwendung und Erhaltung ehemaliger Synagogen. Das Projekt widmet sich insbesondere den nördlichen und westlichen Regionen Polens, in den nach dem Zweiten Weltkrieg eingegliederten ehemaligen deutschen Gebieten. Dort wird jüdisches Erbe teilweise marginalisiert und sicherlich anders behandelt als in den polnischen zentralen Regionen.

Primäre Forschungsfragen sind: Wie interagierte der Diskurs über jüdisches Erbe mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Transformationen? Welche Akteure und Netzwerke beeinflussten die Gesetzgebung nach 1989? Warum verlagerte sich die Restitutionsdebatte von Eigentumsfragen hin zur Verankerung des kulturellen Erbes in der nationalen Identität? Wie beeinflussen internationale Denkmalschutzstandards lokale Praktiken? Und welche Konflikte und unterschiedlichen Interpretationen bestehen fast 30 Jahre nach Inkrafttreten der entsprechenden Gesetze fort?

Methodisch verbindet das Projekt Denkmalschutztheorie, Politik-, Rechts- und Transformationsgeschichte sowie Critical Heritage Studies. Es nutzt Dokumenten- und Archivanalysen, Interviews mit Synagogenbesitzern und -nutzern sowie Fallstudien, um rechtliche und politische Kontexte auf Makroebene mit lokalen Praktiken und Akteuren auf Mikroebene zu verknüpfen. Das Projekt führt außerdem einen Dialog mit Praktikern und Institutionen, um umsetzbare Modelle für die zukünftige Revitalisierung und den Schutz des jüdischen Erbes in Polen und der Region zu entwickeln.

Kooperationspartner*innen und Assoziierte

Projektleitung

PD Dr. habil. Ulrich Knufinke

Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur, TU Braunschweig

Weitere Informationen (externer Link)

 

Prof. Dr. Ruth Leiserowitz

Deutsches Historisches Institut Warschau

Projektmitarbeiter*innen

Dr. Christhardt Henschel

Deutsches Historisches Institut Warschau

Weitere Informationen (externer Link)

Zuzanna Światowy Eng. Arch. M.Sc. Arch

Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur, TU Braunschweig

Weitere Informationen

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