Jüdisches Filmerbe zwischen kultureller Praxis und Gedächtnisinstitutionen

Laufzeit: 2025-2028

Gesamtprojekt

Die Erschließung des kaum untersuchten, aber sehr vielfältigen Gegenstandes Jüdisches Filmerbe erfolgt seit 2022 am Forschungsstandort Potsdam. Mit dem Projekt Jewish Heritage between Cultural Practices and Memory Institutions soll Grundlagenforschung zum Jüdischem Filmerbe im dialogischen Austausch mit den relevanten Akteur:innen des Feldes geleistet werden: a) den Film- und Kulturerbeinstitutionen, in diesem Fall den jüdischen Museen in Berlin und Frankfurt/Main, die mit ihren Sammlungskonzepten die Themen bestimmen; b) den (jüdischen) Filmemacher:innen, die das jüdische Filmerbe schaffen und zugleich prägen; c) das Publikum, das durch seine aktive Rezeptionspraxis ebenso an der Verarbeitung des Erbes beteiligt ist wie die forschenden Wissenschaftler:innen. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei drei übergeordnete Schwerpunkte: Erstens soll die Autonomie des jüdischen Filmerbes mit seiner doppelten Relevanz als Film und als Quelle jüdischer Geschichte und Erfahrung herausgearbeitet und die unterschiedlichen Bezüge und Arbeitsweisen mit diesem Erbe aus künstlerischer, wissenschaftlicher und museologischer/archivischer Perspektive erörtert werden. Zweitens zielt das Projekt darauf ab, marginalisierte Erinnerungen und gefährdete Filmsammlungen zu erschließen, zu sichern und zu untersuchen und sie nicht zuletzt für die Forschung in anderen Disziplinen zugänglich zu machen. Drittens soll dieses gesicherte jüdische Filmerbe, die es zu einem Teil einer lebendigen (jüdischen) Filmkultur und damit zu einem Teil eines lebendigen, zeitgenössischen jüdischen Erbes machen, durch partizipative Formate, wie einem Jewish Home Movie Day der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Der Fokussierung auf Diskursivierungen Jüdischen Filmerbes folgt das Projekt in seiner interdisziplinären, transferorientierten Ausrichtung, die sich in der Anlage der drei Teilprojekte widerspiegelt: dem Teilprojekt Jewish Home Movies. Amateur Films in Jewish Museum Collections; dem Teilprojekt Heritage Journey Films sowie dem künstlerischen Teilprojekt Artistic research on and with Jewish film heritage.

Gemeinsame inhaltliche Klammer bilden Familienarchive und familiale Erinnerungen, die in bewegten Bildern überliefert sind. Dabei verweisen die Teilprojekte, in ihrer diversen methodischen Konzeption wie auch ihren differenten Gegenständen, auf die Bedeutung bewegter Familienbilder als jüdisches Filmerbe. Um die Projekte miteinander zu verbinden, sollen ihre Gegenstände in einer kuratierten Filmreihe in Dialog gebracht sowie in einer Ausstellung präsentiert werden.

Kooperationspartner*innen und Assoziierte

Person, Institut, Hochschule

Person, Institut, Hochschule

Person, Institut, Hochschule

Institution, Ort

Institution, Ort

Institution, Ort

Projektleitung

Dr. Ulrike Schneider

Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft

Universität Potsdam

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Dr. Lea Wohl von Haselberg

Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

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PD Dr. Anna-Dorothea Ludewig

Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien

Universität Potsdam

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Projektmitarbeiter*innen

Laura Brüggemann

Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien

Universität Potsdam

Weitere Informationen

Dr. Irine Beridze

Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft

Universität Potsdam

Weitere Informationen

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Einzelprojekte

Jewish Home Movies. Amateur Films in Jewish Museum Collections (Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam, Laura Brüggemann)

Im Projekt bilden die bisher weder wissenschaftlich noch museologisch erschlossenen Amateurfilme (Familienfilme) aus den Sammlungen Jüdischer Museen, vor allem der Jüdischen Museen in Frankfurt/Main und Berlin, den Forschungsgegenstand. Ziel ist ihre a) inhaltliche Erschließung, b) Sicherung durch Digitalisierung, c) Analyse sowie d) die Entwicklung einer Typologie. Darüber hinaus sollen zwei Konzepte entwickelt werden: Erstens für eine neue Form der Archivierung; zweitens für eine Zugänglichmachung für eine interessierte Öffentlichkeit, um das Material an jüdische Gegenwart anzuschließen. Beide Konzepte sollen im Projekt entwickelt und mit den Museen als Partner erprobt werden.

Erstmals wird ein Jewish Home Movie Day in Zusammenarbeit mit jüdischen Museen und dem Filmmuseum Potsdam organisiert. Privatpersonen werden eingeladen, Filme, Fotos oder andere Objekte aus Familienarchiven zu zeigen und zu kommentieren. Ziel ist es, jüdische Gegenwart und Filmkultur über Amateurfilme miteinander zu verbinden. Durch die Integration dieses Home Movie Days in das Forschungsprojekt soll eine Brücke zwischen akademischer Forschung, öffentlichem Engagement und den Communities geschaffen werden.

Ergänzend wird das etablierte Format der „Albengespräche“ konzeptionell auf Amateurfilme übertragen. In diesen filmisch dokumentierten Gesprächen mit Spender:innen werden persönliche Kontexte zu den Filmen erschlossen und archiviert. Dabei entstehen audiovisuelle Dokumente, die sowohl das Filmmaterial als auch das damit verbundene paratextuelle Wissen dauerhaft sichern und zugänglich machen.

Das Projekt verbindet filmwissenschaftliche Forschung mit musealer Praxis. Es zielt darauf, neue Wege im Umgang mit jüdischem audiovisuellen Erbe zu erproben und Impulse für eine nachhaltige, gemeinschaftsbezogene Archivierung und Vermittlung jüdischer (Film-)Geschichte zu setzen.

Heritage Journey Films (Universität Potsdam, Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft, Dr. Irine Beridze)
Ziel dieses Projekts ist es, einen heterogenen und vielfältigen Korpus von Dokumentar- und Spielfilmen zu entwickeln, zu strukturieren und zu analysieren, die im Kontext von familiären Heritage Journeys entstanden sind und/oder diese zum Thema haben. Das Projekt untersucht diese vielschichtigen Filme vor allem im Hinblick darauf, welche Konzepte von Kulturerbe implizit und explizit thematisiert und gegenübergestellt werden. Besonderes Augenmerk wird dabei daraufgelegt, wie Familienerinnerungen in Bezug auf die internen Diskurse jüdischer Gemeinschaften und die Erwartungen und Zuschreibungen einer europäischen Mehrheitsgesellschaft positioniert und interpretiert werden. Aufgrund ihrer Fokussierung auf das Familienerbe und die Familienerinnerung sind die Filme selbst partizipativ: Sie beziehen die Familien der Filmemacher:innen mit ein und machen die Kamera und den Dreh der Filme zu einem Instrument der generationsübergreifenden Kommunikation und Weitergabe. Anhand eines mit CHS-Methoden zu entwickelnden Fragekatalogs werden die filmischen Texte sowohl analytisch als auch im Hinblick auf ihre Produktions- und Rezeptionskontexte untersucht. Von Interesse ist dabei anhand der Analysen herauszuarbeiten, von wem, in wessen Auftrag, mit welcher Unterstützung und für welches Publikum das Motiv der jüdischen Heritage Journey im Film verarbeitet wird. Darüber hinaus soll der Austausch über Strategien des Filmemachens und der Traditionspflege hervorgehoben und nicht auf den universitären und filmwissenschaftlichen Kontext beschränkt bleiben. Daher ist angedacht, Veranstaltungen zum Projekt mit Filmemacher:innen anzubieten.

Artistic research on and with Jewish film heritage (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf)

Das Projekt zielt darauf ab, künstlerische und wissenschaftliche Perspektiven zusammenzuführen. Zwei jeweils zwölfmonatige künstlerische Fellowships werden an zwei Filmschaffende vergeben, die sich im Rahmen eines eigenen künstlerischen Forschungsprojekts mit dem jüdischen Filmerbe auseinandersetzen. Filmerbe in Form von Found Footage spielt in vielen filmischen Arbeiten eine zentrale Rolle. Reflexionen über den Einsatz von Archivmaterial und seine – oft ambivalente – Bedeutung für das eigene künstlerische Arbeiten werden dabei mitgedacht.

Künstlerische Forschung erweist sich insbesondere für partizipative Forschung im Sinne der Critical Heritage Studies als produktiv, da sie die vermeintliche Trennung zwischen „Schaffen“ und „Forschen“ im Kontext jüdischen Filmerbes aufhebt. Stattdessen tritt eine Reflexion künstlerischer Prozesse sowohl aus praktischer als auch aus theoretischer Perspektive.

Das erste künstlerische Projekt wird von der Filmemacherin Yael Reuveny realisiert, die sich in ihren bisherigen Arbeiten intensiv mit Fragen familiärer Erinnerung, Familienarchiven und kulturellem Erbe beschäftigt hat. Die Ausschreibung für das zweite künstlerische Projekt erfolgt in Kooperation mit dem Institut für Künstlerische Forschung (IKF) der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, das zugleich Partner im Gesamtprojekt ist.

Navigation

Aktuelles aus den Projekten

Weiterführende Links

Website des Instituts für Jüdische Studien und Religionswissenschaft Potsdam: https://www.uni-potsdam.de/de/js-rw/

Website des Moses-Mendelssohn-Zentrums: https://www.mmz-potsdam.de/

Website der Universität Potsdam: https://www.uni-potsdam.de/de/

Website der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf: https://www.filmuniversitaet.de/

Medien

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Publikationen

Anna-Dorothea Ludewig, Ulrike Schneider, Lea Wohl von Haselberg (Hg.): Jüdisches Filmerbe. Berlin: Neofelis 2026.

Anna-Dorothea Ludewig, Ulrike Schneider (Hg.): Literature in Film – Film in Literature. Visual-Textual Negotiations of Jewish Topoi and Narratives. Yearbook for Jewish Literature Studies 12 (2025).

Zuletzt aktualisiert am 28.07.2025

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